Reiseberichte

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30/03: Nebel

Category: Marokko
Posted by: sabine
Nebel

Wir fahren bei Sonne los, zurück ins Rifgebirge, stecken aber schon bald in den Wolken der Berggipfel fest. Die Straße ist eine üble Buckelpiste mit Löchern, in denen ganze Autos verschwinden können. Vielleicht denke ich mir das aber auch nur in der märchenhaften Stimmung.

Nebel
Ein Gespensterbus voller verlorener Seelen? Nein, ein marokkanischer Linienbus auf Kollisionskurs mit zwei Ungläubigen und einem Kater.

Category: Marokko
Posted by: sabine
hafen

Die Nacht verbringen wir nahe einem kleinen Fischerort am Mittelmeer. Es riecht nach Fisch, Thymian und Lavendel. Das Ganze erinnert an alte spanische Postkarten aus den 20er Jahren. Und es stimmt ja auch: so sah es wohl auf der gegenüberliegenden Seite des Mittelmeers vor dem Bauboom der letzten 50 Jahre aus. Wir schauen auf der Karte nach. Hinter dem Horizont, genau in Richtung Norden, liegt unsichtbar, aber doch nur wenige Kilometer entfernt: Marbella!
Category: Marokko
Posted by: sabine
rif
He, Amigo! Der hier fährt, nicht überraschend, einen Mercedes mit, und das ist lustig, einem spanischen Kennzeichen.

Eine faszinierende Sache im Hasch-Straßen-Business habe ich vergessen zu erwähnen: das komplexe, uns leider unverständliche Gestensystem. Auf unserem Weg durch Ketama haben wir wieder ausreichend Gelegenheit, diese Geheimsprache zu studieren. Es gibt Armgewedel nach unten, diverse Handbewegungen zum Mund und über den Kopf, alles verbunden mit diesem unheimlichen, leicht verschwörerischen und festgefrorenen Grinsen.

Nach ein paar Tage im Rifgebirge können wir sagen: Wenn man ausgeschlafen ist und die ganze Dealerei-Versuche mit Humor nimmt, reißt es die schöne Landschaft fast wieder heraus.

Rif Rif
So geht’s: scharf überholen, vor dem Touristenfahrzeug abbremsen, Hasch hochhalten, in den Rückspiegel grinsen. Rechts ranfahren, aussteigen, Hasch hochhalten, grinsen. Wirkt bei uns leider nicht.

Rif Rif
Früh übt sich: auch diese netten Jungs sind schon voll im Geschäft.


Category: Marokko
Posted by: sabine
Rif

Wir möchten über Ketama nach Fez. Also mitten durch das Gebirge, das von berberischen Rifkabylen bewohnt wird. Jahrelang wurde in Reiseführern vor dieser Gegend gewarnt, denn hier blüht der Haschhandel. Geschichten von Straßensperren und haarsträubenden Verfolgungsjagden machte die Runde. Außerdem wurde dringend empfohlen, nach jedem Stopp das Auto nach versteckten Haschplatten zu durchsuchen und sich nicht so zum unfreiwilligen Kurier machen zu lassen. Das klingt für uns ja alles ganz spannend.

Rif

Im ersten Abschnitt der Reise finden wir allerdings nur schöne Gebirgslandschaften, grasgrüne Felder und lustige Heupilze vor, die mit Netzen und Gewichten vor Regen geschützt werden.

Alle paar Meter werden wir von einem Mercedes überholt, der hupt, an den Straßenrand fährt, wonach uns der Fahrer dann etwas Ordentliches zum Rauchen verkaufen möchte. Anscheinend muss es in diesem Berufszweig ein Mercedes sein, und auch das Outfit und Auftreten dieser Typen ist hier anscheinend genormt.

Auszug aus dem Handbuch: Der kleine Drogendealer
„Kleide Dich in schwarze Lederjacke und schwarze Buntfaltenhose. Die Haare pomadiert, die Schuhe poliert, zeige Deine Zähne und geh proaktiv auf den potentiellen Kunden zu. Sprich nie von Drogen, sondern stets von Business. Verweise bei widerspenstigem Gegenübern auf die Not leidende Familie. Beginne jeden Satz mit „He, Amigo“ oder auch „He, my friend“. Deutsche zeigen sich stets begeistert von „Alles klarrr?“. Für günstiges Essen, saubere Kleidung und notwendige Kinder nimm Dir eine Frau - Du musst arbeiten. Konzentriere Dich voll auf den Erfolg. Du kannst es.“
Category: Marokko
Posted by: sabine
chaouen

Nach einer ruhigen Fahrt erreichen wir Chefchaouen oder kurz einfach Chaouen. An einem Gebirgshang gelegen, lieben die Bewohner des Städtchens die Farbe blau und behaupten hartnäckig, die Farbe halte die Fliegen ab. Tatsächlich sehe ich keine einzige Fliege, das kann aber auch Winterwetter liegen.

chaouen

Der Campingplatz hat eine tolle Aussicht und morgens sehen wir unter uns die Wolken und darunter die Stadt. Über eine Treppe, die vom Campingplatz nach unten führt, erreicht man die Altstadt und kann sich dort herrlich durch die blauen Gassen treiben lassen.
Category: Marokko
Posted by: sabine
Bei unserem letzten Besuch in Tanger im April 2006 haben wir noch die Gangster vom Dach eines österreichischen 911er verjagt. Wie die Stimmung jetzt wohl ist? Immerhin ist für das Jahr 2012 die Expo in Tanger fest eingeplant, und ungewollte Action-Stunts gehören wohl nicht zum bevorzugten Besucher-Programm.

Wir möchten zum Hafen, um zu schauen, was die Fähren kosten. Doch wir kommen nicht weit. Als wir an einer Kreuzung bei rot anhalten, sehe ich im Rückspiegel, wie sich zwei Kerle hinten ans Auto hängen und versuchen, auf das Dach zu kommen, und damit an die Kisten, die darauf festgezurrt sind. Bodo bremst, die Typen springen ab und laufen ein bisschen, gerade so weit, dass sie außer Reichweite sind, aber schnell wieder aufspringen können. Bodo also weiter hinterher, während ich das Führerhaus bewache. Unterdessen versucht ein anderer Junge, unter das Auto zu kriechen. Keine dreißig Meter weiter steht ein Polizist an der Kreuzung und schaut in den Himmel. Als wir ihn auf den Vorfall aufmerksam machen, erklärt er uns, das seien doch bloß Emigranten. Dann dreht er sich um und verteilt weiter Knöllchen, das ist ja auch viel sinnvoller.

Uns dagegen liegt sehr daran, dass niemand, auch nicht im Klebstoffnebel (die Jungs stehen neben uns auf dem Feld und schnüffeln aus der Plastiktüte, was das Zeug hält), auf die Idee kommt, auf die Kardanwelle zu klettern und sich zu verletzen. Auch möchten wir unsere Kisten gerne am Stück und wenn möglich mit Inhalt behalten. Wir lassen das also mit Tanger und fahren ab in Richtung Osten, mit Ziel Rifgebirge. Da waren wir noch nicht, und das ist immer schon mal ein guter Anfang.
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Posted by: sabine
gicht

gicht

Wild, leer und voller Stellplätze (für Allrad-Fahrzeuge): die Küste bei Sidi-Moussem
Category: Marokko
Posted by: sabine
Förster

Der Campingplatz von Kénitra Plage leistet sich ein feudales Eingangstor. Das beeindruckt vielleicht marokkanische Sommergäste, schließt uns und damit die momentan einzigen potentiellen Gäste aber leider aus, unser LKW ist zu hoch. Das stört den Verwalter aber auch nicht, er hatte eh grad keine Lust zu arbeiten.

Wir suchen weiter, denn wir brauchen mal wieder einen ruhigen Platz, damit der Kater Auslauf hat. Wir finden einen Parkplatz, bekommen dort aber bald Besuch von einem marokkanischen Mopedfahrer. Der bittet uns, in der Stadt oder beim nahen Forsthaus zu übernachten. Forsthaus, das interessiert uns. Stehen wir doch überhaupt seit Monaten zum ersten Mal wieder in einer wenigstens waldähnlichen Gegend.

Das „Forsthaus“ steht hinter einer Düne und damit fast am Meer. Die Familie wohnt mit Tochter, Sohn, Schwiegertochter und drei Enkeln in einem Holzhaus. In den Gattern gibt es Schafe und Ziegen, Hühner und mindestens eine Milchkuh. Alles ist gut organisiert und die Atmosphäre ist ruhig und friedlich. Wir werden herzlich begrüßt, natürlich können wir gerne stehen bleiben und ob wir zum Abendessen bleiben möchten? Da ist sie wieder, die marokkanische Gastfreundschaft. Ich lehne dankend ab, es ist ja schon dunkel. Morgen kommen wir zum Tee, inshallah.

Am nächsten Tag möchten wir uns nach einer wunderbar ruhigen Nacht verabschieden und werden dann doch noch zum Frühstück eingeladen. Es gibt selbst gemachte Butter, frisches Brot und eingelegte Oliven. Wie immer amüsiert sich die Familie über meine bayerischen Bergschuhe, die wir nach marokkanischer Sitte vor der Tür abgestellt haben. Wir schenken den Jungs kleine Seifenblasen-Spielzeuge, solche Dosen, die mit Lauge gefüllt sind und in deren Deckel Plastikringe eingearbeitet sind, durch die man durchbläst. Wir machen noch ein Foto, und im Weggehen sehen wir, wie einer der Jungs die Dose an den Hals setzt und leer trinkt. Wahrscheinlich wundert sich die Mutter heute noch, wieso ihr Sohn nach unserem Besuch Tage lang so lustige Blasen in den Raum gesprochen hat. Dem Großvater überreichen wir einen Wein, und sofort reißt die Familie Witze über das Kopfweh, das Opa dann wieder haben wird. Niemand spricht hier Französisch oder Arabisch, und trotzdem verstehen wir uns und lachen miteinander. Gegen Mittag fahren wir weiter, nach Norden, und wir freuen uns wieder mal, in so einem tollen Land reisen zu können.
Category: Marokko
Posted by: sabine
sardinen

Wir sind in Safi, nach Casablanca wichtigster Industriestandort Marokkos. Eine absolute Empfehlung, wenn man eine ganz normale marokkanische Stadt erleben möchte.

sardinen

sardinen
Fischer spleißen Taue: In reiner Handarbeit wird eine Schlaufe in ein Tau hineingearbeitet (siehe Wikipedia)

Unsere Einkaufstipps:

  • Fisch: im Hafen das einzige Restaurant suchen und einfach hinsetzen. Weder der Besitzer noch der Mann am Grill sprechen Französisch, aber das macht nichts. Es gibt ohnehin nur gegrillte Sardinen mit grobem Salz, Tomatensalat mit Koriander und Brot. 6 Sardinen zu 6 Dirham, also 60 Cent. Köstlich! Wer anderen Fisch essen möchte, der kauft ihn direkt am Kai und lässt ihn sich braten.


  • Keramik: neben den Touristenläden den Berg hinauf. Im Laden ist alles viel teurer, aber auch in den Läden der Werkstätten muss man handeln. Angestellte führen gerne durch die Töpfereien und erklären alle Vorgänge, auch ohne Kaufzwang. Auswahlkriterien im Laden sind neben Geschmack vor allem Geruch und Klang. Billige Farben riechen nach Chemie, am besten in der Kooperation kaufen, die mit Naturfarben arbeiten und zum Beispiel das Gelb mit Safran färben. Dann Teller / Schüssel / Tajine etc. halten und kurz dagegen klopfen. Ein stumpfer Klang weist auf Risse hin und lässt die Verkäufer meist schnell reagieren, indem sie einem die Ware aus der Hand nehmen und schnell etwas anderes hineindrücken.
  • Category: Marokko
    Posted by: sabine
    safi

    So sieht Einkaufen in Marokko aus. Alles da: Erbsen, Bohnen, Linsen, Nudeln, Datteln, Tee, Gewürze, Konserven etc. So wie der Verkäufer schaut, hat Brigitte wohl gut verhandelt, Lebensmittel haben allerdings meist Festpreise.

    safi
    Noch ein Hahn zum Abendbrot? Truthahn oder Taube? Alles heute im Angebot.
    Category: Marokko
    Posted by: sabine
    fans
    Mercedes-Benz-Fans in Marokko

    Wenn wir auf den marokkanischen Straßen unterwegs sind, winken uns die Menschen am Straßenrand zu: Mütter, Kinder, Spaziergänger, Schäfer, Transporteure mit Eselswagen, Transporteure ohne Eselswagen, Lastwagenfahrer. Wir winken immer zurück, und ich komme mir oft vor wie die Queen bei der Geburtstagparade.

    In Europa wissen die Menschen allerdings eher selten, was da für ein Auto vor ihnen steht oder gerade an ihnen vorbeifährt. Die meisten schauen nicht hin, sie haben den Kopf voller eigener Probleme. Kinder allerdings, auch Zweijährige manchmal schon, merken schnell, dass hier gerade ein etwas anderes Auto vorbeifährt: Aufgeregt zeigen sie auf uns und zupfen ihre Eltern an den Jacken, wenn wir vorbeifahren.

    Was sehen diese Kinder nur? Problemlos können sie uns von Lieferwagen unterscheiden, das fällt manchmal schon den Zöllnern schwer. Auch von „normalen“ Wohnmobilen, denen sie sonst nur wenig Aufmerksamkeit schenken, können uns die Kids unterscheiden. Die Eltern allerdings, wenn sie denn aufschauen, achten auf andere Dinge: Werbetafeln, Ampellichter, schicke Autos. Und wissen gar nicht, was ihre Kinder denn Aufregendes bemerkt haben.

    Einmal standen wir in Roquetas del Mar in Südspanien an der Strandpromenade. Roquetas ist eine am Reißbrett durchgeplante Kleinstadt, die ausschließlich aus Appartement-Komplexen mit Geschäftspassagen besteht. Spanier gibt es hier kaum, dafür um so mehr Deutsche und Engländer. Und es gibt eine kilometerlange Strandpromenade, direkt am sauberen Sandstrand, mit Palmen in 10-Meter-Abständen, roten Bordsteinkanten und ausgewiesenen Parkbuchten. Hier kann man im Winter problemlos übernachten und das tun auch einige Wohnmobilisten, indem sie ihre Tür zum Meer, die Stühle fein parallel zum Auto und die Tischdecke zur Tischkante ausrichten und dann Urlaub machen.

    Sonntagnachmittag gehen hier alle Familien der Umgebung mit plärrenden Kindern, Hunden an Aufrollleinen und den Alten im Rollstuhl spazieren. Wir hatten jede Menge Spaß dabei, in unserem Auto am geöffneten Fenster zu sitzen und die Kommentare über unser Gefährt anzuhören. „Das war mal ein Panzer-Spähwagen“ sagte ein deutscher Rentner zu seiner Frau. „Der kommt direkt aus dem Sand“ wusste ein anderer. „Paris-Dakar“ und „Der kommt überall durch“ bekamen wir öfter zu hören und das ist ja gar nicht so abwegig.

    Die Frauen denken eher praktisch: „Wofür sind denn die Dinger da an der Seite?“, „schon schmutzig da“ (gemeint sind die Sandbleche), „Ah, es brennt Licht, Globetrotters sind zu Hause“, aber auch fürsorglich in der direkten Anrede: „Brauchen Sie Eis, Sie haben ja keinen Kühlschrank?“ (Haben wir doch...). Das ist dann wirklich nett.
    Category: Marokko
    Posted by: sabine
    zetzels
    Wir treffen Brigitte und Wolfgang aus Deutschland. Kennen gelernt haben wir sie beim Ausbau unseres MAT in Sigmaringen bei Herbert Füss. Die beiden machen ihre erste große Reise mit ihrem noch neuen weißen „Luigi Bavarese“ und wir fahren ein Stück zusammen die Küste entlang, Richtung Norden, nach Safi.

    zetzels zetzels
    Links: dank Wolfgang und Brigitte endlich mal ein Bild vom MAT auf der Straße. So versperren wir also allen unseren Hintermännern die Sicht, interessant!
    Rechts: Die beiden und ihr Luigi lächeln fürs Foto. Gut, dass Brigitte ihren Wolfgang festhält, ein Schritt weiter links beginnt die Steilküste...

    Category: Marokko
    Posted by: sabine
    „Hoams an Offen?“ fragt uns plötzlich ein feister Caravanist mit FFB-Kennzheichen auf dem Camping-Parkplatz.
    „Guten Tag“, sage ich, „einen was bitte?“.
    „An Offen!“.
    Ich überlege. „Einen offenen was?“ frage ich zurück.
    „Koan offenen, an offen! Wie in Essaouira, am Parkplatz.“ Da waren wir wirklich, auf dem Parkplatz in Essaouira. Hm.
    „Ein Ofen?“ mache ich den Versuch einer grammatikalisch-semantischen Verrenkung.
    „Na, geh, an Offen! Und ein paar Hunde“.
    „Wir haben eine Katze, aber keine Hunde“, versucht Bodo dem Gespräch noch eine höfliche, gar sinnvolle Wendung zu geben.

    Wir bekommen keine Antworten auf unsere Fragen. Unser Gegenüber hat schon das Thema gewechselt und erzählt stolze Urlauber-Geschichten: wie er jedes Mal, wenn er in Essaouira ist, einen Tisch mit Einlegearbeiten kauft. Drei Stück hat er schon. Die arbeiten ja so billig, die Marokkaner.

    Langsam dämmert uns: der hält uns für Hippies. Mit einem Affen!

    erdbeeren
    Hippie-Stilleben mit Erdbeeren und Tiger

    Und das kommt so: In den späten 60ern war Marokko beliebtes Hippie-Reiseziel. Auch heute zieht es die jungen Leute hierher, kein Wunder, denn Reisen ist hier in Marokko billig und unkompliziert.

    Die jungen Leute von heute fahren aber nicht mehr im VW-Bus, sondern nehmen gerne ausrangierte Möbel-LKWs. Da werden dann Türen und Fenster hineingeschnitten, die Inneneinrichtung besteht aus 70er-Jahre Tapete, alten Funierschränken und –tischen, ein paar Matratzen auf den Boden gelegt und fertig ist das Wohnmobil. Alle Freunde werden eingepackt, Surfbretter, Hunde und in einem Fall wohl auch ein Affe.

    Natürlich würden sich diese Leute niemals selbst Hippies nennen, das machen nur die Campingcar-Fahrer. Und auch nur die bringen es fertig, unseren LKW mit einem alten Möbelwagen zu verwechseln.

    In Chefchaouen fragte uns ein Hymer-Besitzer, ob uns nicht kalt wäre? Nein, sagten wir, danke, uns ist nicht kalt. Daraufhin schlenderte der Mann zu seiner weißglänzenden Plastikschüssel zurück, ebenso grußlos wie er gekommen war, aber auch sehr zufrieden mit sich und seiner demonstrativen Toleranz gegenüber diesen gesellschaftlichen Erfolgsverweigerern.

    Category: Marokko
    Posted by: sabine
    ounagha

    Wüste, Gebirge, Meer. Im Wechsel unserer Gezeiten sind wir wieder am Atlantischen Ozean angekommen. Ounagha heißt das hübsche Städtchen, das als schickes Sommerziel wohlverdienender Marokkaner gilt. Ich bin erstaunt, wie heruntergekommen und vermüllt es hier trotzdem ist, aber störende Plastikmüllberge und fischige Geruchsbelästigung scheinen nur mein Problem zu sein, denn sowohl die hiesigen Anwohner als die Wohnmobilisten kippen munter weiter ihre Abwässer ins geplagte Meer.

    ounagha
    Yippieh! Posen für die Kumpels, die mit ihren Handykameras den historischen Moment für die Nachwelt festhalten.

    Category: Marokko
    Posted by: sabine
    Atlas

    Tunnel und großartige Brücken über den hohen Atlas waren den Marokkanern wohl zu aufwändig. Die Straße von der eine zur anderen Gebirgsseite schlängelt sich daher durch Täler und mäandert fröhlich zwischen Lehmdörfern, terassenförmigen Feldern, kahlen Abhängen und Keramikständen für Touristen durch. Musikempfehlung hier: „A vava Inouva“ von Idir, schwer angesagt in der marokkanischen Wintersaison.

    Atlas
    Schaf links: unter großem Geblöke hoppelt die Schafherde über die Straße. Dafür, dass sie so dämlich sind, sind Schafe erstaunlich trittsicher.


    Category: Marokko
    Posted by: sabine
    Wenn schon keine Wüste, dann möchten wir ans Meer, so sagen wir uns. Also zurück über den Atlas, zurück nach Marrakesch und dann nach Westen bis Ounagha.

    Hier die Route in Google Maps.

    Mandelbluete

    Wir haben Glück: es ist die Zeit der Mandelblüte. Im ganzen marokkanischen Gebirge (also mittlerer und hoher Atlas, Antiatlas und Rifgebirge – eine Menge Gebirge) blühen in den gemäßigten Zonen die Mandelbäume. Die rosa und weißen Blüten bieten einen schönen Kontrast zu den knorrigen Baumstämmen und –ästen, aber auch zu schneebedeckten Bergen, zum blauen Himmel und der roten Erde. Bilderbuchmotive.

    Mandelbluete
    Das können wir sehen, wenn wir heute abend aus der Tür schauen. Und das werden wir morgen sehen, wenn wir aufwachen. Ist das Leben schön!

    Category: Marokko
    Posted by: sabine
    wueste
    Was da im Baum hängt, ist ein zusammengefaltetes Nomadenzelt, fertig zur Benutzung, wenn die zugehörige Familie mit ihrem Weidevieh zurückkommt.

    Was für schöne ruhige Tage. Wir können uns einfach nicht entschließen, dieses wunderschöne Stückchen Erde zu verlassen und verlegen so nur Tag für Tag unser Nachtlager.

    Ich bin nicht die Richtige, über die Wüste zu schreiben, daher soll ein Experte zu Wort kommen: "Wie wenig Lärm machen die wirklichen Wunder." sagte Antoine de Saint-Exupéry in „Brief an eine Geisel“ (1943). Sein Buch „Himmel über der Wüste“, das unerklärlicherweise im Familienbücherschrank zwischen langweiligen soziologischen Schriften und verblassten Bildbänden über die heimische Flora stand, hat mich schon als Teenie fasziniert.

    wueste

    wueste
    Trockene Lehmwüste...

    Aber irgendwann müssen wir wieder zurück zu anderen Menschen und machen uns auf den holperigen Rückweg durch den ausgetrockneten See Iriki, vorbei am Tafelberg, durch die steinigen Canyons und über die Wellblechpiste der letzten 20 Kilometer vor Foum Zguid.

    Unsere aktuelle Position in Google maps ist hier.

    In Google Maps (Einstellung Satellit, nicht Karte) kann man hier auch die Kulissen im Filmgelände der Atlas Studios bei Ouarzazate gut sehen - vor allem das Flugzeug aus "Diamand vom Nil" und das Boot der Kleopatra.


    Category: Marokko
    Posted by: sabine
    Wir stehen den ganzen Tag über in den Dünen und machen – nichts. Trotzdem ist ständig was los. Sand ist in der Luft und Djinns rasen über die Ebene. Ein paar Krähen besuchen uns, Singvögel nutzen die unerwarteten Landemöglichkeiten zur Rast. Nachts dann Wetterleuchten am Horizont, bei uns etwas Regen und ebenfalls viele Lichtblitze.

    Piste
    Ein Djinn, eine Art Kleintornado. Dieser hier ist zwar gut hundert Meter breit und zwei Kilometer hoch, richtet aber keinen Schaden an.

    Piste
    Bei Wind fegt der Sand über die Dünenkämme. Bodo kämpft sich trotzdem tapfer vorwärts.

    Piste
    Dieser kleine Freund hier ist die Müllabfuhr der Dünen. Sobald etwas auf dem Sand landet – Orangeschalen, Wasser, Hintern – eilt er herbei, um hineinzubeißen. Gemütlich im Sand sitzen geht daher nur bedingt.

    Piste
    Da fährt man seit Stunden unbehelligt durch die Dünen und plötzlich, plopp, sitzt man in einer Art Weichsandloch fest. Dann heißt es buddeln.