29/04: Durch Toulouse
Hinter Toulouse übernachten wir auf einem Autobahnrastplatz, an den ein Hafen des Kanal du Midi angeschlossen ist. Wir haben schon auf Campingplätzen schlechter gestanden, grün ist es hier und ruhig.
28/04: Über die Pyrenäen

Geschlossene Grenzen in der EU, mitten in den Pyrenäen? Nein, Schneestopp bis Mitte Mai.
Stunden später endet Spanien unvermittelt nach einer Kurve und wir stehen vor geschlossenen Schranken. Ein angemalter Holzbalken mit verbeulten Schildern stellt sicher kein ernst zu nehmendes Hindernis für unseren LKW dar, zudem alle Polizei der nahen Grenzhäuschen unsichtbar bleibt. Als brave EU-Bürger ziehen wir dann doch eine Einheimische zu Rate, die uns ob großer Schneemassen von unserem Plan abrät. Mitte Mai geht die Schranke hoch, nicht früher. Der nächste westliche Pass sei geöffnet, nur 15 Kilometer entfernt, grinst die Dame und zeigt quer ab zur Straße auf den nächsten schneebedeckten Gipfel. Haha. Zurück ist ja doof, aber wir haben wohl keine andere Wahl. Boshaft fotografieren wir noch das „Betreten verboten“-Schild der Ruine und fahren die 60 Kilometer zum Tunel du Somport, der mit 8,8 Kilometern Länge die höchsten, unpassierbaren Gipfel einfach untergräbt. Mitten im Tunnel sind wir plötzlich in Frankreich und uns einig, dass es genau wie in Spanien aussieht.
27/04: Reisestationen

Rififi und das Motto dieser Tage: Sonne auf den Pelz brennen lassen. Wir grübeln über unsere weiteren Reisepläne. Am Kanal bleiben? Nordfrankreich? Noch sind wir unschlüssig...
26.04. Madrid: Fahren, fahren, den ganzen Tag durch „La Mancha“. Es ist warm, das Land flach und trostlos. Ja, hier muss Don Quichote unterwegs gewesen sein. Die Windmühlen sind verschwunden, die in der ADAC-Karte erwähnten riesigen tönernen Weinkrüge (hier gibt’s kein Holz für Fässer) sind solchen aus Zement gewichen. Toll. Schnell weg.
25/04: Córdoba: Mesquita

Wichtigstes Bauwerk Córdobas ist ein Moscheegelände namens Mesquita. Einen Tag habe ich dort verbracht und bin mir sicher, nie etwas schöneres von Menschenhand Gemachtes gesehen zu haben. So beeindruckend sind diese Gänge, Säulen und Hallen, dass keiner der wechselnden Herrscher unterschiedlicher Epochen, Länder, Religionen und Vorlieben die Mesquita zerstörte, sondern höchstens das Gelände mit den Höchstleistungen der aktuellen Epoche erweiterte.

Mehrere Tore, mit Gold beschlagen oder reich verziert, führen in den großen Innenhof. Hier stehen die Brunnen zur rituellen Waschung und blühend duftende Orangenbäume. Das Kieselsteinpflaster kann im Sommer mit Wasser aus zahlreichen Kanälen geflutet und damit gekühlt werden. Natürlich sind keine ehrwürdigen Geistlichen zugegen, sondern die unterschiedlichsten Touristengruppen, aber das tut dem Zauber keinen Abbruch.

Als die Moschee um 750 gebaut wurde, sammelte man alles aktuell verfügbare Baumaterial zusammen, darunter eine halbe Basilika sowie Basen, Kapitelle, Schäfte und Säulen aus römischen Palästen und westgotischen Ruinen der Umgebung. Was noch fehlte, wurde von den hiesigen Baumeistern ergänzt. Studenten der Kunstgeschichte können sich viele Reisen sparen, wenn sie einfach hier jede Säule erforschen.
Der Innenraum der Moschee besteht aus zweistöckigen Säulenbogen, die die Illusion großer Höhe und eines Raumes ohne feste Achse vorspiegeln, statisch und dynamisch zugleich und offen in alle Richtungen.
Links der Mihrab, eine kleine achteckige Kammer innerhalb der Kibla und ähnlich der christlichen Apsis ein „Tor zu Gott“ und daher unglaublich prachtvoll. Der Türrahmen ist reich an Blumenornamenten, die Farben Rot, Blau und Gold dominieren. Symmetrische und regelmäßige Wiederholung der abstrakten, floralen Motive umranden die Tür, die am äußeren Rahmen durch Schriftzüge aus dem Koran abgeschlossen wird.


Tja, und plötzlich war mit Karl V wieder ein Christ an der Macht und der ließ mitten in die Säulenhalle eine Kathedrale platzieren, die in den folgend Jahrhunderten munter nach dem jeweiligen Geschmack verändert wurden. Es finden sich gotische Elemente, aber auch Renaissance-Ecken und Barockfülle. Arme Männer und Frauen werden gequält und gegeißelt, von Engeln gerettet oder auch nicht. Es ist überwältigend, wirkt aber auf mich irgendwie kalt und abweisend.
Zu den Bilder: Oben Chorgestühl aus Mahagonieholz und Vierungskuppel des Querschiffs. Unten ein Leidensrelief, ein geschnitzte Kanzel, unter der ein armer Stier von einem Adler erledigt wird und ein Ausschnitt der hübschen Hauptkuppel.
24/04: Córdoba: Jüdisches Viertel

Cordoba gilt als die Stadt der Innenhöfe. Erfunden wurden sie hier sozusagen, die Patios mit den murmelnden Brunnen, den maurischen Kacheln an den Wänden, Marmor oder Kieselsteine auf dem Boden und vielen liebevollen Details.
Erst will ich mich heimlich in die Hauseingänge schleichen, um vielleicht einen Blick und ein Foto zu riskieren. Die Bewohner der Häuser öffnen aber sofort ihre Türen und laden mich ein, alles genau zu betrachten.
Verwunderlich? Der Führer einer deutschen Reisegruppe, der ich mich unauffällig anschloss und damit das Durchschnittsalter halbierte, löste das Rätsel: jedes Jahr Anfang Mai findet in Córdoba das Fest der Innenhöfe statt. Der schönste Innenhof erhält mehrere Tausend Euro Preisgeld und jede Menge Prestige. Touristen werden in dieser Zeit gerne hinzugezogen, um sich den Vorsprung vor dem Nachbarn bestätigen zu lassen („Haben Sie den gesehen? Etwas mickrig, die Blumen, oder?“).
Topfblumen übrigens sollen ihren Ursprung bei den orientalischen Wüstenvölkern haben: die Nomaden konnten so ein Stück lebende Natur transportieren wie jedes andere Hab und Gut. Heute strotzt Córdoba nur so vor roten Geranien. Sollte die Wiege der blühenden bayerischen Balkone in den hängenden Gärten der Semiramis zu suchen sein?
In rechten Bild sitzt Maimonides, ein großer spanisch-jüdischer Denker. Er war um 1200 der unpopulären Meinung, das Leben lasse sich mit der allen Menschen gegebenen Vernunft am besten regeln. Die religiösen Herrscher und alten Adelsgeschlechter verjagten ihn, auf dass er ihren Untertanen keine Flausen in den Kopf setze. Sein linker Fuß glänzt so golden, weil es Erleuchtung bringen soll, wenn man ihn berührt. Der arme Kerl, noch hunderte Jahre später so missverstanden!
22/04: Von Tanger bis Algeciras
So was Freches haben wir in ganz Marokko nicht gesehen. Erwischt haben sie nichts, aber eine Leiterhalterung ist abgerissen. Die Menschen drum herum auf der Straße kümmerts nicht oder sie lachen und auch so eine Haltung ist uns bisher nicht begegnet. Tanger ist wirklich eine Ausnahme, aber wenn wir hier angekommen wären, hätte uns das die Lust auf Marokko gut verderben können.

So treffen wir unsere Reisegefährten für die Überfahrt nach Europa. Stefan und Stephanie aus Wien waren drei Monate in Marokko und Mauretanien und müssen jetzt zurück, die Jobs warten. Wir verstehen uns auf Anhieb gut und kaufen auf dem Schiff erstmal ein paar Bier und Sandwichs. Da lieg ich nun, mein Kopf auf Bodos Schoß, die Flasche in der Hand, der Wind im offenen Haar und komme mir so was von Verrucht vor...
20/04: Impressionen aus Asilah


Portugiesisch-orientalische Perle mit künstlerischem Anspruch
20/04: Asilah am Meer
Ehemals von den portugiesischen Kolonisten als Startpunkt einer glücklosen Eroberung der fisch- und handelsreichen nordafrikanischen Atlantikküste auserkoren, ernährt sich Asilah heute hauptsächlich von spanischen Touristen und französischen Intellektuellen, die alte Häuser in der kleinen Medina (Altstadt innerhalb von Festungsmauern) kaufen und mit deutschen Toiletten, norwegischen Kaminen, maurischen Springbrunnen und französischen Küchen ausstatten.
Alljährlich findet in Asilah ein Kulturfestival statt, in dessen Rahmen viele Häuserwände von aktuell führenden afrikanischen Malern verschönert werden. Und sie ist wirklich hübsch, die Altstadt, ganz portugiesisch in weiß und blau gehalten. In manchen Gassen sind die Häuser in so vielen Blau- und Grüntönen gehalten, dass man wie durch Aquariumlicht wandelt.
Die größte Sehenswürdigkeit ist der „Palast der Tränen“ des Herrschers Rassouli, der angeblich Ende des 18. Jahrhunderts amerikanische und englische Touristen entführte, ihnen gerne mit dem Säbel vor der Nase wedelte und sie schließlich gegen Geld und Sachwerte wieder laufen ließ. Leider ist der Palast geschlossen, weder Schild noch Wächter geben Auskunft. Schade, so romantisch, diese Geschichte!
18/04: Bei Mercedes in Casablanca
Aber das täuscht wieder mal. Unser Öl bekommen wir erst, nachdem wir im ersten Büro Höflichkeiten ausgetauscht haben, in einem anderen länger gewartet haben und in einem dritten dann irgendwann bezahlen konnten, um wieder im ersten unser Öl zu bekommen – 5 Liter für 230 Dirham. In Deutschland gibt´s Geld, hier Zeit.
Während unserer Büro-Tour wird das erste Büro dekoriert. Ein Mitarbeiter verlässt die Firma, es wird gefeiert und wir werden eingeladen. Wir sind eigentlich müde nach dem ganzen Casablanca-Wahnsinn, werden aber fast zum Tisch geschleift, jemand drückt uns Cola in die Hand, ein anderer ein großes Stück Sahnekuchen. Kekse werden uns auf den Teller geladen, wir werden von allen Seiten angelächelt. Das ist auf jeden Fall marokkanisch, nicht deutsch.

Kaum haben wir den Kuchen vernichtet, werden wir in ein Auto geladen und um den Block gefahren. Hier steht LKW an LKW, vornehmlich vom Typ 1520, und tausend Einzelteile auf Paletten: Federn, Tanks, Getriebe, Motoren. In einer angrenzenden Halle werden auf zwei Schienen jeweils fünf LKWs zusammengebaut. Alle Teile kommen aus Brasilien (!) per Container. Ein nagelneuer 1520 mit Differenzialsperre und ohne Elektronik kostet hier um die 400.000 Dirham (ca. 36.000 EUR). Leider kein Allrad, aber das könne man in Brasilien bestellen, meint unser Werkstattführer. Wir könnten uns einen LKW zusammenstellen, wie wir möchten. Alles ist möglich, wird uns freundlich versichert. Beeindruckend und kein bisschen deutsch.
Wir werden herzlich eingeladen, bei unserem nächsten Besuch in Marokko noch mal vorbeizuschauen und sagen gerne zu.
17/04: Qualidia lebt

Sonnenuntergang bei El Jadida. Wunderschöner Strand, die Dämmerung legt sich gnädig über die angeschwemmten Müllberge.

Zwei Seiten von Qualidia: links der wöchentliche Souk. Schon seit den Morgenstunden reisen die Menschen per Bus, LKW, Esel oder zu Fuß an, um Fleisch, Obst, Gemüse, Haushaltsgegenstände, Kleider, Möbel oder Tand zu erwerben oder zu verkaufen. Jenseits der größeren Städte gibt es nur Läden für den täglichen Bedarf, keine Einkaufshäuser. Alles außer Brot, Butter, Eier, Milch, Couscous und Schokolade wird auf dem Markt gehandelt.
Rechts zwei Fischer mit traditioneller Hütte neben den Salinenfeldern nahe der Stadt. Freundlich winken sie uns zu.
17/04: Stempels noch mal, Sam
Im Fracht- und Zollbereich wimmelt es vor wichtigen Männern und solchen, die es gerne wären. Sofort haben wir einen Schlepper am Hals, der zwar kein Französisch spricht und von den UPS-Mitarbeitern wie Zollbeamten verächtlich von der Seite angeschaut wird, ohne den wir aber nicht weit kommen, wie uns schon bald klar wird. Schilder gibt es hier weder an den Gebäuden, noch an Zimmern oder Personen.
Zuerst findet der Kerl den zuständigen Zollbeamten, der gerade zu Mittag ist. Das Paket wird gefunden, geöffnet, der Inhalt dokumentiert. Diese Dokumentation muss in ein Gebäude 500 Meter abseits, in ein bestimmtes Büro, in dem sich schon andere Männer um einen Schreibtisch mit einem wichtigen Herrn mit Taschenrechner drängen. Wir bekommen einen Stempel, hetzen zurück, ein Papier wird kopiert, es geht in ein anderes Gebäude, das gerade renoviert wird. Ein weiterer Herr liest zwischen Farbeimern in den Papieren, stempelt, wieder eine Kopie, wieder ein Büro. Hier werden die ersten 20 Dirham fällig für die Herren in Uniform. UPS möchte 150 Dirham für die große Leistung, das Paket vom Zollgebäude in ihren Lagerraum gebracht zu haben, es dann nicht geschafft zu haben, die auf den Papieren angegebene Telefonnummer (Bodos Handy) anzurufen und eine grandiose Verschleierungstaktik im Trackinglog zu veranstalten – laut Internet waren wir es nämlich immer, die die Lieferung verweigert haben, nicht UPS! Der Schlepper möchte 100 Dirham, den handeln wir noch runter auf 75 Dirham. Wir sind fertig mit UPS und Casablanca. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft war das sicherlich nicht.
Lichtblick am Abend sind die Nussecken aus Haimhausen, ein Stückchen Heimat im der Fremde. Danke, Katja!
17/04: Entlang der Küste

Abfälle der Phosphat-Fabrik vor Safi: auch das ist Marokko. Dieser Turm ist etwa 20 Meter hoch und in der ganzen Gegend stinkt es zum Erbrechen. Einige Meter weiter angeln einige Männer am Ufer.
Lieber ein paar schoene Bilder? hier:
- Marokko im Maerz
14/04: Auszeit in Safi
Kurz vor Safi bricht die Industrie- und Müllhölle wieder los. Die Phosphatindustrie konzentriert sich hier in riesigen Anlagen, die hemmungslos ihre Abwässer ins Meer leiten und den Rest in die Luft pusten. Safi selber zeigt sich müllfrei und zivilisiert und wir sind so müde, daher fahren wir auf den Campingplatz, ein Idyll inmitten von Bäumen, mit viel Vogelgezwitscher und einem trötenden Pfau. Und jetzt: 3 Tage nix tun und darauf hoffen, dass keine Fabrik explodiert.
13/04: Shoppen in Essouira

Auf dem Souk von Essaouira gibt es alles, was das Herz begehrt: kostbare Teppiche, glitzerndes Geschmeide, ausgesuchte Gewürze. Nach einem aufregenden Shoppingtag komme ich mit Tüten voller Gold, Myrre und Weihrauch nach Hause.
Ich beginne mit einem Frühstück in einem kleinen Gassenlokal und lasse erstmal die örtliche Bagage an mir vorbei ziehen. Schnell ist klar: die schönen Marokkanerinnen sollten ihre Schleier besser den dicken weißen Engländern geben, die einem in kurzen Shorts und Spaghetti-Tops den Appetit verderben.
Die anschließenden 5 Stunden verbringe ich mit Preise erfragen, vergleichen, verhandeln, Tee trinken. Ein schöner Souk. Es gibt die Fleischstraße, deren Läden leckere Ziegen- und Schafsköpfe als Qualitäts-Aushängeschild auf der Straße positionieren. In der Schmuckstraße glänzt goldener Hochzeitsschmuck mit berberischen Glücksbringern aus Silber um die Wette. In der Holzgasse polieren die Schreiner die duftenden Zitronenholzschachteln auf Hochglanz. In der Gemüsegasse schreien die Gemüsehändler so, wie Gemüsehändler anscheinend weltweit schreien müssen. Gewürzplätze gibt es zwei: einen für Einheimische, der auch Naturmedizin bietet und einen für Touristen, ungleich bunter und teurer. Ach ja, und natürlich mehrere Teppichecken und Keramikhäuser.

Die Verhandlungsspannen liegen so bei 400 Prozent. Alle rhetorischen Waffen sind erlaubt. Mein Gegenüber erwähnt seine große, hungernde Familie in den Bergen, die ohne Strom, also im Dunkeln und per Hand mühsam diese wertvollen Andenken herstellen. Ich erwähne, dass das Objekt ein Geschenk für eine schwangere Freundin sei (Schwangere sind hier fast heilig und es ist nicht zu empfehlen, mit dickem Bauch nach Marokko zu fahren, es sei denn, frau bekommt gerne ständig den Bauch von fremden Frauen geküsst). Jetzt ist erst mal wieder Tee fällig, nach solchen Eröffnungen. Nächste Runde, der Preis ist schon um die Hälfte gesunken. Im Nachbargeschäft liege der Preis niedriger, wage ich einzuwenden. Was, ruft der Verkäufer ungläubig, rennt in den betreffenden Laden, kehrt mit dem Objekt zurück und haut darauf herum, bis Dellen entstehen. Mindere Qualität, ruft der Verkäufer begeistert, da wäre der Preis natürlich günstiger. Jetzt muss ich schon lachen und habe natürlich verloren, das Schlitzohr weiß das genau. Der Preis bleibt, ich bezahle am Ende, wahrscheinlich zu viel, aber egal, der Unterhaltungswert zählt auch.
12/04: Hafen in Agadir

Fischfangflotten im Hafen von Agadir: da muss das Ein- und Auslaufen gut koordiniert werden.
Wir nehmen die Umgehungsstraße um Agadir, da wir wenig Lust auf den Stadtrummel haben. 1960 wurde Agadir bei einem großen Erdbeben fast ganz zerstört und anschließend im Betonstil der 60er wieder aufgebaut. Ein anderes Mal, denken wir, und brausen die Autobahn entlang, Links sehen wir große weißen Hotelburgen, palmenumsäumt, gartengesprengt. Rechts Slums, Schutthütten, eigentlich unbewohnbar, und doch hängt Wäsche zwischen Müll und zerzausten, Fußball spielenden Kindern.
Weiter geht’s, immer ein paar Kilometer von der Küste weg die Hauptstraße entlang, 350 Kilometer sind heute zu bewältigen. Die Landschaft wird zunehmend grüner, feuchter, fruchtbarer. Die Nadelbäume scheinen größer und selbstbewusster, wir sehen zum ersten Mal Kühe und die Kornfelder, bei TanTan noch kleine Privatfeldchen, sind ackergroß und mit kleinen Mauern umsäumt. Es ist gerade Erntezeit und gearbeitet wird, typisch für Marokko, zum einen mit der Hand und zum anderen vornehmlich von Frauen.
Abends erreichen wir Essaouira, aber die Campingplätze dort sind betonierte, umzäunte Parkplätze. Da können wir auch gleich vor der Polizei parken, denken wir und machen das auch.
11/04: Sidi Ifni
10/04: Kamele und Strände

Kamel am Ortseingang von Tata und Sonnenuntergang bei Sidi Ifni
10/04: Tata bis Sidi Ifni

Mohammed Azourar auf seiner Reise
Heute auf dem Plan: Fahrt über Akka, Tarhjijt, Bou-Izakarn, Guelmin, Tan-Tan bis El Quatia, auch Tan-Tan-Plage genannt. 400 Kilometer bei Reisewetter: bedeckter Himmel, leichter Wind. Mit den Kilometern und der Meernähe wird das Klima feuchter und wir bemerken auch erste Anzeichen der Zivilisation: dem ersten Regen seit 8 Wochen folgt die erste Ampel seit 6 Wochen, im Lebensmittelladen finde ich sogar Snickers!
Kurz vor Tan-Tan treffen wir Mohammed Azourar, der mit seinem selbstgebauten Hand-Fahrrad seine 6.Tour durch Marokko macht: 12.000 Kilometer in neun Monaten. Er ist nur mit dem Nötigsten unterwegs: Zelt, Koffer, Ersatzreifen, Kamera und Gästebuch, etwas Proviant und zwei Marokkofahnen. Er lädt uns zu sich nach Hause ein, wenn wir nächstes Jahr wieder kommen, inshallah, dann könnten wir Bilder schauen. Wir sind schwer beeindruckt. Mohammed ist querschnittsgelähmt, allein unterwegs, hat wenig Geld, das Wetter meist gegen sich und strahlt uns an, als wäre er der Gewinner einer Luxuskreuzfahrt.
08/04: Teppichtausch
Herr Lamhamdi wohnt mit seiner Familie (Frau, drei Söhne, eine Schwiegertochter, diverse Enkelkinder, die zwei Töchter sind in andere Häuser verheiratet) in Tasla, einem kleinen Ort an der Straße. Die Männer des Ortes arbeiten in den umliegenden Silber- und Kobaltminen, die Frauen weben Teppiche. Alles, was sie zum Leben brauchen, tauschen die hiesigen Familien gegen ihre Teppiche ein. Findige Händler karren also Hemden und Handies aus Taiwan in die umliegenden Orte, greifen Teppiche ab und verhökern diese dann teuer im Ausland. Globalisierung im marokkanischen Hinterland.
Die nächste Tankstelle ist 60 km entfernt, wir könnten dem Hausherrn noch mehr Diesel überlassen. Wir werden gefragt, ob wir dafür nicht einen Teppich möchten und darüber hinaus vielleicht noch andere Dinge zum Tauschen haben? Haben wir nicht, aber ein kleiner roter Teppich gefällt uns gut. 20 Liter Diesel und 200 Dirham wechseln also den Besitzer und wir haben endlich unsere Marokko-Teppich-Erfahrung, allerdings ohne Teppichhändler und völlig fair und frei von Bauchschmerzen.
In Tissani halten wir für die in Reiseführer und Karte lobend erwähnten “Kaskaden, die zum Baden einladen”. Etwa 3 Meter Geplätscher, schleimige Algen und die gaffende männliche Dorfjugend wecken in mir keine Lust, in den Bikini zu steigen. Wir fahren weiter und finden nur wenige hundert Meter weiter ein atemberaubendes Palmental mit Lehmhütten, das in keinem der Reiseführer erwähnt wird. Es riecht nach wildem Oleander und die Dorfgeräusche wehen herüber: Lachen, Babygeschrei, blökende Esel - wunderschön!
Wir schaffen es noch bis Tata. Dort gibt es einen günstigen städtischen Campingplatz, einen kleinen Souk, einige Geschäfte und Restaurants und vor allem Menschen, die einen nicht dumm anquatschen – welche Wohltat!
07/04: Draatal im Abendlicht
07/04: Draatal
Die Fahrt geht durchs Draatal, am späten Nachmittag im schönsten Fotolicht. Der Verlust der Kamera schmerzt immer noch. Romantisch verfallene Kasbahs (alte Lehmpaläste) in Palmenoasen, die Draa mäandert in glänzenden Windungen, am Straßenrand sehen wir winkende Kinder und schwer beladene Frauen, die das Futter für die Tiere schleppen, während die Männer voran reiten. Die Menschen hier sind offen, freundlich und so arm, dass ich in einem der üblichen Kleinläden keine ganze Packung „la vache qui rit“ bekomme, sondern nur zwei Stücke, weil mehr üblicherweise nicht verkauft wird.
Abends erreichen wir Agdz und übernachten auf dem einzigen Campingplatz der Umgebung. Der Besitzer stammt aus einer alten eingesessenen Familie und mag nach eigenem Bekunden Deutsche. Vor 30 Jahren kam nämlich ein deutscher Herr hier an, sah die verfallene Familienkasbah und sagte sich und dem verdutzten Besitzer: „Da muss man doch was machen, das geht doch nicht!“ Sprach’s, gründete einen Verein und schleppt seitdem jährlich zwei Dutzend Architekturstudenten nach Agdz, die alles wieder schön sauber aufbauen. Im Därr-Reiseführer werden Platz und Besitzer löblich erwähnt, im „Kulturschock Marokko“ lobend auf das Engagement hingewiesen. Naja, sicherlich eine klassische Win-Win-Situation, nicht wahr? Uns war der Besitzer wenig sympathisch, den Platz fanden wir mittelmäßig, den Service langsam, die Preise aber insgesamt fair.
06/04: Zurück nach Zagora
Wir wenden uns heimwärts, nicht ohne noch an der großen Touristendüne auf einen Tee bei den Draaes (also die Bewohner der Draa-Tals) halt zu machen, die gerade ein neues Zelt mit Platz für 40 bis 50 Touristen aufbauen. Immer mehr Menschen suchen die Ruhe in der Wüste, möchten aber dabei auf elektrisches Licht, Dusche, Toilette und Restaurant nicht verzichten. Der gestrige Sandsturm hat von der alten Anlage allen modernen Plastik-Schnickschnack weggeblasen und nur die guten, alten braunen Schafwoll-Zelte stehen gelassen, das sollte einem zu denken geben. Die Sahauris nehmens gelassen, Zeltaufbau bedeutet ja auch Geld und Arbeit und für einen Spaß sind die Touristen auch immer gut. Wie heute diese lustigen Deutschen, die mit ihrer Katze im Zickzack über die Ebene fahren (das machen wir, um dem verhassten Wellblech auszuweichen, Marokkaner rappeln einfach durch).
Abends sind wir wieder in Zagora. Dünen haben wir nicht gesehen und Bodo ist lageangepasst enttäuscht.
06/04: Ali Baba und der eine Räuber
05/04: Chegaga
Leider wird die Sicht immer schlechter, Sand ist in der Luft, der Wind frischt merklich auf. Am Nachmittag haben wir dann den Salat: in einem ausgewachsenen Sandsturm stehen wir vor einem Feld mit den doofen 3-Meter-Dünen, die unsere Pläne schon bei Taouz durchkreuzt haben. Nicht wirklich hoch, aber zu steil. Alle Spuren verschwinden unter diesen unüberwindbaren Hindernissen. Wir sind nach einigen Fehlversuchen vernünftig und drehen um. Die Option abwettern fällt bei 35 Grad ohne Lüftungsmöglichkeit flach und wir kehren um, Kurs Zagora. Bei einer Sicht von zeitweise unter 10 Metern finden wir dann unsere Piste auch trotz GPS nicht mehr und fahren querfeldein. Macht unserem treuen MAT ja nix, aber wir werden durchgeschüttelt, es dauert und wir nächtigen noch mal in der Prärie.
04/04: Sturm in der Sahara

Keine Sicht mehr, nur Sand

Immer schön an der Wand entlang: Fahren durch den Sandsturm. Und ja: das in der Mitte ist die Straße.
04/04: Ab in die Wüste
Wir fahren in der Gegend umher, schauen uns die Pisten an, gewöhnen uns an Flora und Fauna. Bei einem Nomaden mit Zelt und Kamel machen wir halt und wären gern geblieben, aber es gab wieder den ganzen Sermon, was wir alles machen und kaufen sollen, Geheimtipps, nur bei ihm, da haben wir uns schnell wieder verzogen. Schade. Die Nacht ist ruhig, sternenklar und bis auf einen Skorpion, der mehrmals auf Bodo zuspringt, auch ereignislos.
03/04: Auf nach Timbouktou?

Schild in Zagora: Ab hier 52 Tage nach Timbuktu – mit dem Kamel. Aktuell leider nicht möglich, die Grenze zu Algerien ist dicht!
03/04: Probleme in Zagora
Das ist auch Reisen, leider, nicht nur Abenteuer und Vorwärtskommen, sondern auch Aufwand, Frust und auf der Stelle treten.

Unser Ziel: das Sternengucker-Hotel in Tinfou. Auf dem Dach sind Teleskope, mit denen man den Nachthimmel erforschen kann. Leider haben wir den deutschen Patron verpasst.
Rechts Rififi im Glück: endlich wieder festen Boden unter den Füßen!
02/04: Zagora, endlich!
Wir nehmen den nächst besten Campingplatz mit dem schönen Namen „Prent ton temps“. Der gesamte LKW ist mit einer dicken Sand- und Staubschicht belegt und auch im Shelter sieht es nicht besser aus. Zwei Fenster stehen auf Lüftung, damit Rififi auch Luft kriegt und die Tür schließt nicht sanddicht. Also Sand auf den Polstern, den Tischen, dem Bett, Sand im Klo und hinter den Küchenschubladen und auch Rififi hinterlässt eine beachtliche Sandwolke, als er im Seemansgang aus dem Shelter schwankt.
02/04: Karawane

Auch eine Reiseform: Dromedare transportieren das schwere Gepäck, die Touristen wandern nur mit Wasser und Jacke belastet durch die Wüstenlandschaft.